Das Rote Meer liegt zwischen dem Nordosten Afrikas und der Arabischen Halbinsel. Es ist ein schmales, rund 2.240 Kilometer langes Nebenmeer des Indischen Ozeans, das im Süden über die Meerenge Bab al-Mandab und im Norden über den Suezkanal mit den Weltmeeren verbunden ist.
Viele kennen das Rote Meer vor allem als Ziel für Badeurlaub in Ägypten. Geografisch ist es aber weit mehr: eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt, ein junges Meer, das sich noch immer öffnet, und eines der artenreichsten Riffgebiete der Erde.
Lage und Ausdehnung
Das Rote Meer zieht sich von Nordwest nach Südost wie ein langer Schlauch zwischen zwei Kontinenten. Westlich liegen Ägypten, der Sudan, Eritrea und Dschibuti, östlich Saudi-Arabien und der Jemen. An der Nordspitze teilt die Sinai-Halbinsel das Meer in zwei Arme: den Golf von Suez im Westen und den Golf von Akaba im Osten.
- Länge: rund 2.240 Kilometer
- Breite: meist 180 bis 360 Kilometer, an der schmalsten Stelle im Süden nur rund 27 Kilometer
- Fläche: etwa 438.000 Quadratkilometer, gut so groß wie Deutschland und Österreich zusammen
- Größte Tiefe: rund 3.040 Meter im zentralen Suakin-Trog
Die beiden Zugänge
Im Süden öffnet sich das Rote Meer über die Meerenge Bab al-Mandab zum Golf von Aden und damit zum Indischen Ozean. Die Durchfahrt ist etwa 27 bis 32 Kilometer breit und wird durch die Insel Perim in zwei Kanäle geteilt. Der Name bedeutet auf Arabisch sinngemäß „Tor der Tränen“ – ein Hinweis auf die früher gefährliche Passage.
Im Norden verbindet der Suezkanal den Golf von Suez seit 1869 mit dem Mittelmeer. Seitdem müssen Schiffe zwischen Europa und Asien nicht mehr um das Kap der Guten Hoffnung fahren. Ein großer Teil des Containerverkehrs zwischen Asien und Europa läuft durch das Rote Meer, was die Region wirtschaftlich und politisch bedeutend macht.
Welche Länder grenzen an das Rote Meer?
Acht Staaten haben eine Küste am Roten Meer oder an einem seiner Golfe:
| Küste | Staat | Bekannte Orte am Meer |
|---|---|---|
| Afrika | Ägypten | Hurghada, Safaga, Marsa Alam, Sharm el-Sheikh, Dahab |
| Afrika | Sudan | Port Sudan, Suakin |
| Afrika | Eritrea | Massaua, Assab |
| Afrika | Dschibuti | Küste an der Meerenge Bab al-Mandab |
| Asien | Saudi-Arabien | Dschidda, Yanbu |
| Asien | Jemen | Hodeida |
| Asien | Jordanien | Akaba (Golf von Akaba) |
| Asien | Israel | Eilat (Golf von Akaba) |
Jordanien und Israel erreichen das Meer nur über den schmalen Golf von Akaba. Ägypten besitzt die längste touristisch erschlossene Küste, denn es grenzt sowohl an das offene Rote Meer als auch an beide Golfe.
Ein Meer, das noch wächst
Geologisch ist das Rote Meer jung. Es entstand vor rund 25 bis 30 Millionen Jahren, als sich die Arabische Platte von der Afrikanischen Platte zu lösen begann. Es gehört zum großen Grabenbruchsystem, das sich vom Jordantal bis nach Ostafrika zieht.
Die beiden Platten driften weiterhin auseinander, nach heutigen Messungen um rund einen Zentimeter pro Jahr. In der Mitte des Meeres liegt deshalb ein Graben, in dem neue ozeanische Kruste entsteht. Am Meeresboden gibt es heiße, extrem salzhaltige Becken mit Metallablagerungen. Fachleute sehen im Roten Meer einen Ozean im Frühstadium – in vielen Millionen Jahren könnte hier ein breites Meer wie der Atlantik liegen.
Salzgehalt und Klima
Das Rote Meer zählt mit rund 4 Prozent Salz (etwa 40 Gramm je Liter) zu den salzigsten Meeren der Welt. Zum Vergleich: Das offene Meer hat im Mittel etwa 3,5 Prozent. Die Gründe:
- Die Region gehört zu den heißesten und trockensten Gebieten der Erde, entsprechend hoch ist die Verdunstung.
- Kein großer Fluss mündet in das Rote Meer, es fehlt also Süßwasser.
- Der Austausch mit dem Indischen Ozean läuft nur über die enge, flache Meerenge im Süden.
Das Wasser ist das ganze Jahr über warm. Im Norden, etwa am Sinai, liegt die Temperatur im Winter um 21 bis 23 Grad, im Sommer deutlich darüber. Im Süden wird es noch wärmer. Weil kaum Schwebstoffe eingetragen werden, ist das Wasser meist sehr klar – ein Grund für die Beliebtheit beim Tauchen.
Woher kommt der Name?
Das Wasser selbst ist nicht rot, sondern tiefblau. Für den Namen gibt es mehrere Erklärungen. Die bekannteste verweist auf Blüten der Blaualge Trichodesmium erythraeum, die das Wasser zeitweise rotbraun färben können. Eine andere bezieht sich auf die rötlichen Berge an den Küsten. Eine dritte Deutung geht auf alte Farbsymbolik für Himmelsrichtungen zurück, bei der Rot für den Süden stand.
Korallenriffe und Artenvielfalt
Entlang der Küsten zieht sich ein fast durchgehender Gürtel aus Saumriffen. Über 1.000 Fischarten leben im Roten Meer, ein beachtlicher Teil davon kommt nirgendwo sonst vor. Typisch sind Rotmeer-Anemonenfische, Wimpelfische, Napoleon-Lippfische, Rochen, Delfine und an einigen Stellen Dugongs (Seekühe). Mehr über Fische und ihre Lebensräume steht in der Rubrik Fische.
Die Korallen im nördlichen Roten Meer gelten als vergleichsweise hitzetolerant. Forschende untersuchen sie deshalb, um zu verstehen, wie Riffe mit steigenden Meerestemperaturen umgehen. Trotzdem stehen auch diese Riffe unter Druck, vor allem durch Tourismus, Küstenbebauung und Abwässer.
So bleiben die Riffe intakt
- Korallen nicht berühren, nicht darauf stehen und nichts abbrechen.
- Beim Tauchen auf gute Tarierung achten und Flossen kontrolliert bewegen.
- Keine Muscheln, Schnecken oder Korallenstücke mitnehmen – in Ägypten ist die Ausfuhr verboten.
- Tiere nicht füttern und nicht anfassen.
- Boote nur an Bojen festmachen, nicht im Riff ankern.
- Müll wieder mitnehmen und Sonnenschutz sparsam verwenden, vor dem Schwimmen gut einziehen lassen.
Reiseziele am Roten Meer
Die meisten Reisenden aus dem deutschsprachigen Raum fliegen nach Ägypten. Hurghada ist der größte Badeort am Festland, Marsa Alam weiter südlich gilt als ruhiger und liegt nahe an unberührten Riffen. Auf dem Sinai sind Sharm el-Sheikh mit dem Nationalpark Ras Mohammed und das entspanntere Dahab mit dem bekannten Tauchplatz Blue Hole beliebt.
Am Golf von Akaba liegen Eilat in Israel und Akaba in Jordanien, von wo aus sich Ausflüge nach Petra oder ins Wadi Rum anbieten. Saudi-Arabien öffnet seine Küste seit einigen Jahren ebenfalls für den Tourismus.
Vor jeder Reise in die Region lohnt der Blick in die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts, denn die Lage kann sich in einzelnen Anrainerstaaten schnell ändern.
Häufige Fragen
Ist das Rote Meer ein Ozean?
Nein. Es ist ein Nebenmeer des Indischen Ozeans. Geologisch gilt es aber als ein Ozean im Entstehen, weil sich die Erdkruste in seiner Mitte auseinanderbewegt.
Wie tief ist das Rote Meer?
Im Mittel etwa 500 Meter, an der tiefsten Stelle im Suakin-Trog rund 3.040 Meter. Die Meerenge Bab al-Mandab im Süden ist dagegen recht flach.
Warum ist das Rote Meer so salzig?
Weil sehr viel Wasser verdunstet, kaum Flüsse einmünden und der Wasseraustausch mit dem Indischen Ozean nur über eine schmale Meerenge erfolgt.
Wann ist die beste Reisezeit?
Für Ägypten gelten Frühjahr und Herbst als angenehm. Im Hochsommer wird es an Land oft über 40 Grad heiß, im Winter ist das Wasser im Norden etwas kühler.



