Eisbären leben nur in der Arktis rund um den Nordpol – in Kanada, Alaska, Russland, Grönland und auf Spitzbergen. Ihr eigentlicher Lebensraum ist nicht das Land, sondern das Meereis über den flachen Schelfmeeren, auf dem sie Robben jagen.
Der Eisbär (Ursus maritimus, „Meeresbär“) ist neben dem Kodiakbären das größte an Land lebende Raubtier der Erde. Weltweit gibt es nach Schätzungen der Weltnaturschutzunion IUCN rund 22.000 bis 31.000 Tiere. Die Art gilt als gefährdet.
Das Verbreitungsgebiet: fünf Länder rund um den Nordpol
Eisbären kommen in den Gebieten von fünf Staaten vor. Fachleute unterscheiden 19 Teilpopulationen, die sich über die gesamte Arktis verteilen.
- Kanada: Hier lebt mit rund zwei Dritteln der größte Teil aller Eisbären, vor allem in Nunavut, in den Nordwest-Territorien und an der Hudson Bay. Das Städtchen Churchill in Manitoba nennt sich „Hauptstadt der Eisbären“: Im Oktober und November warten dort Hunderte Tiere an der Küste darauf, dass die Bucht zufriert.
- USA: In Alaska leben zwei Teilpopulationen an der Beaufortsee und an der Tschuktschensee, etwa bei Utqiaġvik (früher Barrow) und Kaktovik.
- Russland: Eisbären besiedeln die gesamte sibirische Arktisküste, die Inselgruppen Franz-Josef-Land und Nowaja Semlja, die Taimyr-Halbinsel und die Wrangelinsel. Die Wrangelinsel gilt als einer der Orte mit den meisten Wurfhöhlen weltweit.
- Grönland (Dänemark): Eisbären leben an der Ost- und Nordküste und im Nordwesten an der Baffin Bay.
- Norwegen: Auf Spitzbergen und den übrigen Inseln von Svalbard. Wer dort Longyearbyen verlässt, muss sich gegen Eisbären schützen, in der Regel mit einer Schusswaffe und Schreckmitteln.
Gelegentlich treiben Eisbären auf Eisschollen weit nach Süden. Sichtungen gab es etwa auf Island und auf Neufundland. Südlich davon tauchen sie in freier Wildbahn praktisch nicht auf.
Warum das Meereis so wichtig ist
Eisbären sind Meeressäugetiere – so werden sie auch in vielen Schutzgesetzen eingestuft. Sie verbringen den größten Teil des Jahres auf dem Packeis. Am liebsten halten sie sich über dem Kontinentalschelf auf, wo das Wasser flach und nahrungsreich ist und viele Robben leben.
Ihre Hauptbeute sind Ringelrobben, daneben Bartrobben. Der Eisbär wartet stundenlang reglos an einem Atemloch im Eis, bis eine Robbe zum Luftholen auftaucht. Im Frühjahr bricht er auch die Schneehöhlen auf, in denen Ringelrobben ihre Jungen aufziehen. Auf offenem Wasser kann er Robben kaum erbeuten.
Das bedeutet: Ohne Eis keine Jagd. In Regionen, in denen das Meereis im Sommer vollständig schmilzt, wie an der Hudson Bay, müssen die Bären an Land ausharren und monatelang von ihren Fettreserven leben.
Standorttreu, aber mit riesigen Revieren
Eisbären sind Einzelgänger. Sie haben keine festen Reviere, die sie verteidigen, sondern Streifgebiete, die sich mit denen anderer Bären überschneiden. Diese Gebiete sind oft riesig: Je nach Region durchstreift ein Tier Zehntausende, in manchen Fällen mehrere Hunderttausend Quadratkilometer im Jahr – weil das Eis sich ständig bewegt.
Dabei bleiben die meisten Bären ihrer Teilpopulation treu. Weibchen kehren oft in dieselben Gebiete zurück, um ihre Wurfhöhlen anzulegen. Eisbären sind ausdauernde Schwimmer. Forscher dokumentierten in der Beaufortsee eine Bärin, die rund 687 Kilometer am Stück schwamm, mehr als neun Tage lang.
Körperbau: gemacht für extreme Kälte
- Größe und Gewicht: Männchen wiegen meist 350 bis 700 Kilogramm, Weibchen 150 bis 300 Kilogramm. Aufgerichtet erreichen große Männchen über drei Meter.
- Fell und Haut: Die Haare sind nicht weiß, sondern farblos und hohl; sie wirken durch die Streuung des Lichts weiß. Darunter liegt schwarze Haut, die Wärme aufnimmt.
- Fettschicht: Bis zu zehn Zentimeter Speck isolieren gegen Kälte und dienen als Energiespeicher.
- Pfoten: Breite, behaarte Tatzen verteilen das Gewicht auf dünnem Eis und wirken beim Schwimmen wie Paddel.
- Geruchssinn: Eisbären wittern Robben unter einer Schneedecke und aus mehreren Kilometern Entfernung.
Wo Eisbären ihre Jungen bekommen
Paarungszeit ist im Frühjahr, von April bis Juni. Im Herbst graben trächtige Weibchen eine Höhle in Schneewehen, meist an Land in Küstennähe, auf Inseln oder an Hängen. Dort bringen sie im Dezember oder Januar meist zwei Junge zur Welt, die nur etwa 600 Gramm wiegen.
Die Familie bleibt bis März oder April in der Höhle. In dieser Zeit frisst die Mutter nichts und lebt von ihren Reserven. Die Jungen bleiben etwa zweieinhalb Jahre bei ihr und lernen in dieser Zeit die Jagd. In freier Wildbahn werden Eisbären meist 20 bis 25 Jahre alt.
Gibt es Eisbären in der Antarktis?
Nein. Eisbären leben ausschließlich auf der Nordhalbkugel. In der Antarktis gibt es keine Landraubtiere – das ist ein Grund, warum Pinguine dort am Boden brüten können. Umgekehrt leben in der Arktis keine wilden Pinguine. Wer beide Tiere zusammen sieht, ist im Zoo oder vor einer Fotomontage.
Bedrohung durch den Rückgang des Meereises
Die größte Gefahr für Eisbären ist der Klimawandel. Das arktische Meereis bildet sich im Herbst später und bricht im Frühjahr früher auf. Die Jagdsaison wird kürzer, die Fastenzeit an Land länger. Untersuchungen in der westlichen Hudson Bay zeigen, dass dort heute deutlich weniger Bären leben als in den 1980er Jahren und die Tiere im Schnitt leichter sind. Auch in der südlichen Beaufortsee vor Alaska ging der Bestand stark zurück.
Hinzu kommen Schadstoffe, die über Meeresströmungen und die Nahrungskette in die Arktis gelangen, sowie Öl- und Gasförderung und zunehmender Schiffsverkehr. Hungrige Bären nähern sich häufiger Siedlungen, was zu Konflikten mit Menschen führt.
Geschützt sind Eisbären seit dem Abkommen von Oslo von 1973, das alle fünf Anrainerstaaten unterzeichnet haben. Es regelt Jagd und Schutz der Lebensräume. Indigene Gemeinschaften in Kanada, Alaska und Grönland dürfen in begrenztem Umfang jagen.
Eisbären in Zoos
Außerhalb der Arktis sind Eisbären nur in Zoos zu sehen. In Deutschland halten mehrere Tiergärten die Art, etwa der Tierpark Berlin, der Zoo Hannover oder der Zoo Rostock mit seinem Polarium. Weltbekannt wurde das Berliner Eisbärenjunge Knut, das 2006 im Zoologischen Garten Berlin von Pflegern aufgezogen wurde.
Häufige Fragen
In welchem Land leben die meisten Eisbären?
In Kanada. Dort lebt rund zwei Drittel des weltweiten Bestands, vor allem im Territorium Nunavut und rund um die Hudson Bay.
Leben Eisbären am Nordpol?
Am geografischen Nordpol selbst sind Eisbären selten, weil das Eis über dem tiefen Polarmeer wenig Robben bietet. Sie halten sich lieber über den flacheren Schelfmeeren nahe der Küsten auf.
Sind Eisbären für Menschen gefährlich?
Ja. Eisbären können Menschen als Beute ansehen, besonders hungrige Jungtiere und Bären am Ende der Fastenzeit. Angriffe sind selten, in Eisbärgebieten gelten aber strenge Regeln: Abstand halten, Lebensmittel sicher verstauen und nie allein ohne Schutz unterwegs sein.



