Die Hauptstadt von Brasilien heißt Brasília. Sie liegt im Bundesdistrikt (Distrito Federal) auf einer Hochebene im Landesinneren und wurde am 21. April 1960 eingeweiht. Vorher waren Rio de Janeiro und davor Salvador da Bahia die Hauptstädte des Landes.
Viele tippen bei der Frage auf Rio de Janeiro oder São Paulo. Beide Städte sind größer und bekannter, Regierungssitz sind sie aber nicht. Brasília ist eine Planstadt, die in nur rund vier Jahren aus dem Boden gestampft wurde und heute zum UNESCO-Welterbe gehört.
Brasília auf einen Blick
- Lage: Hochebene im Zentrum Brasiliens, auf rund 1.100 bis 1.200 Metern Höhe
- Verwaltung: Bundesdistrikt Distrito Federal, eigenständige Einheit neben den 26 Bundesstaaten
- Einwohner: rund 2,8 Millionen im Bundesdistrikt laut Volkszählung 2022
- Eingeweiht: 21. April 1960
- Welterbe: seit 1987 auf der UNESCO-Liste
- Sitz von: Präsident, Nationalkongress, Oberstes Bundesgericht, Ministerien und ausländische Botschaften, auch die Deutsche Botschaft
Warum Brasilien eine neue Hauptstadt baute
Die Idee, die Hauptstadt ins Landesinnere zu verlegen, ist alt. Schon die erste republikanische Verfassung von 1891 sah vor, im zentralen Hochland ein Gebiet für die künftige Hauptstadt abzustecken. Dahinter standen mehrere Ziele: Das riesige Hinterland sollte erschlossen und besiedelt werden, die Macht nicht mehr allein an der Küste liegen und die Regierung abseits der großen Wirtschaftszentren arbeiten.
Umgesetzt wurde der Plan erst unter Präsident Juscelino Kubitschek. Er war 1956 mit dem Versprechen angetreten, „50 Jahre Fortschritt in 5“ zu schaffen. Der Bau der neuen Hauptstadt war das Kernstück dieses Programms. Zehntausende Arbeiter, viele aus dem armen Nordosten, errichteten die Stadt in Rekordzeit.
Der Stadtplan: ein Flugzeug aus Beton
Den Wettbewerb für den Stadtplan gewann der Stadtplaner Lúcio Costa. Sein Entwurf, der Plano Piloto, besteht aus zwei sich kreuzenden Achsen. Von oben erinnert die Form an ein Flugzeug oder einen Vogel mit ausgebreiteten Flügeln.
- Die Monumentalachse bildet den „Rumpf“. An ihr reihen sich Regierungsgebäude, Ministerien, die Kathedrale und der Fernsehturm.
- Die geschwungene Wohnachse bildet die „Flügel“. Hier liegen die Wohnviertel, die sogenannten Superquadras: Wohnblöcke auf Stelzen mit Grünflächen, Schulen und Läden in direkter Nähe.
Die Stadt wurde für das Auto geplant, mit breiten Schnellstraßen und kaum Ampeln. Für Fußgänger sind die Entfernungen im Zentrum deshalb oft groß.
Oscar Niemeyers Bauwerke
Die markanten Gebäude entwarf der Architekt Oscar Niemeyer, einer der bekanntesten Vertreter der modernen Architektur. Seine geschwungenen Formen aus weißem Beton prägen das Stadtbild:
- Nationalkongress: zwei 28-stöckige Zwillingstürme, flankiert von zwei Schalen. Die nach oben geöffnete Schale gehört zur Abgeordnetenkammer, die nach unten gewölbte Kuppel zum Senat.
- Kathedrale von Brasília: 16 geschwungene Betonpfeiler, die sich wie Hände zum Himmel öffnen, dazwischen Glas. Vor dem Eingang stehen Bronzefiguren der vier Evangelisten.
- Palácio do Planalto: Amtssitz des Präsidenten.
- Palácio da Alvorada: die Residenz des Präsidenten am Ufer des Paranoá-Sees.
- Palácio Itamaraty: Sitz des Außenministeriums, umgeben von einem Wasserbecken.
Die Gärten und Grünanlagen gestaltete der Landschaftsarchitekt Roberto Burle Marx. Im Zentrum der Regierungsbauten liegt der Platz der drei Gewalten (Praça dos Três Poderes), an dem sich Parlament, Regierung und Oberstes Gericht gegenüberstehen.
Der Paranoá-See
Weil das Hochland trocken ist, wurde für die Stadt der Fluss Paranoá zu einem großen Stausee aufgestaut. Der See verbessert das Klima, dient der Freizeit und ist von Villen, Botschaften und Clubs gesäumt. Eine bekannte Brücke über den See ist die Ponte JK mit ihren drei geschwungenen Bögen.
Kritik an der Planstadt
Brasília gilt als Meisterwerk der Moderne, ist aber auch umstritten. Kritiker bemängeln, dass die Stadt für Autos und Behörden gebaut wurde, nicht für Menschen zu Fuß. Plätze und Straßen wirken außerhalb der Bürozeiten oft leer. Zudem waren für die Arbeiter, die die Stadt bauten, im Plan kaum Wohnungen vorgesehen. So entstanden schon in den Anfangsjahren die Trabantenstädte am Rand, in denen heute die Mehrheit der Bevölkerung des Bundesdistrikts lebt.
Die früheren Hauptstädte Brasiliens
| Zeitraum | Hauptstadt |
|---|---|
| 1549 bis 1763 | Salvador da Bahia |
| 1763 bis 1960 | Rio de Janeiro |
| seit 1960 | Brasília |
Salvador im Nordosten war Sitz der portugiesischen Kolonialverwaltung. Der Zuckerrohranbau machte die Region reich. Die Verlegung nach Rio de Janeiro hing mit den Goldfunden im Hinterland von Minas Gerais zusammen, die über Rio verschifft wurden. Von 1808 bis 1821 war Rio sogar Sitz des portugiesischen Königshofs, der vor Napoleon nach Brasilien geflohen war, und später Hauptstadt des Kaiserreichs und der Republik.
Brasília und die anderen Großstädte
Die größte Stadt Brasiliens ist São Paulo mit über elf Millionen Einwohnern in der Stadt und rund 20 Millionen im Großraum. Sie ist das wirtschaftliche Zentrum des Landes. Rio de Janeiro ist die zweitgrößte Stadt und das touristische Aushängeschild. Brasília gehört inzwischen ebenfalls zu den größten Städten des Landes. Viele Menschen leben dabei nicht im geplanten Kern, sondern in Trabantenstädten rundherum, die ursprünglich nicht vorgesehen waren, etwa Ceilândia oder Taguatinga.
Brasília besuchen
Für Reisende ist Brasília vor allem wegen der Architektur interessant. Der internationale Flughafen ist ein wichtiges Drehkreuz für Inlandsflüge. Die Regierungsbauten an der Monumentalachse lassen sich an einem Tag erkunden, einige wie der Nationalkongress bieten Führungen an. Einen guten Überblick gibt die Aussichtsplattform des Fernsehturms.
Das Klima ist tropisch mit zwei deutlichen Jahreszeiten. Von etwa Mai bis September ist Trockenzeit mit viel Sonne, kühlen Nächten und sehr niedriger Luftfeuchtigkeit. Von Oktober bis April regnet es häufig, oft in kräftigen Nachmittagsgewittern.
Häufige Fragen
Ist Rio de Janeiro die Hauptstadt von Brasilien?
Nein, nicht mehr. Rio war von 1763 bis 1960 Hauptstadt. Seit dem 21. April 1960 ist es Brasília.
Wer hat Brasília geplant?
Den Stadtplan entwarf Lúcio Costa, die wichtigsten Gebäude Oscar Niemeyer. Die Gärten stammen von Roberto Burle Marx.
Wie viele Einwohner hat Brasília?
Im Bundesdistrikt leben nach der Volkszählung 2022 rund 2,8 Millionen Menschen.
Warum sieht Brasília aus wie ein Flugzeug?
Lúcio Costa legte die Stadt an zwei sich kreuzenden Achsen an. Die gebogene Wohnachse bildet die Flügel, die Monumentalachse den Rumpf.



