Wie dick das einzelne Haar ist und wie viele Haare auf dem Kopf wachsen, ist weitgehend erblich festgelegt. Dichter und voller wirken lässt sich das Haar trotzdem: durch Ursachenklärung bei Haarausfall, ausreichende Nährstoffe, schonende Pflege, den passenden Schnitt und ein paar Styling-Tricks.
Ein Mensch hat im Schnitt rund 100.000 Kopfhaare, Blonde eher mehr, Rothaarige eher weniger. Der Durchmesser eines Haares liegt je nach Typ etwa zwischen 0,05 und 0,1 Millimetern. Dünnes Haar ist also oft schlicht Veranlagung. Wird das Haar aber im Laufe der Zeit spürbar weniger, lohnt ein genauer Blick auf die Ursachen.
So wächst Haar: der Haarzyklus
Jedes Haar durchläuft drei Phasen. In der Wachstumsphase (Anagen), die zwei bis sechs Jahre dauert, wächst es etwa einen Zentimeter pro Monat. Es folgt eine kurze Übergangsphase und schließlich die Ruhephase (Telogen) von rund drei Monaten, an deren Ende das Haar ausfällt und ein neues nachwächst.
Bis zu 100 Haare am Tag zu verlieren, ist deshalb normal. Nach dem Haarewaschen oder Bürsten wirkt das oft mehr, als es ist. Auffällig ist dagegen, wenn über Wochen deutlich mehr Haare ausgehen, sich lichte Stellen bilden oder der Scheitel breiter wird.
Wenn das Haar dünner wird: häufige Ursachen
- Erblich bedingter Haarausfall: Die häufigste Form bei Männern und Frauen. Die Haarwurzeln reagieren empfindlich auf männliche Hormone, die Haare werden von Zyklus zu Zyklus feiner. Bei Männern zeigen sich Geheimratsecken und eine lichte Stelle am Hinterkopf, bei Frauen ein breiter werdender Scheitel.
- Eisenmangel: Besonders Frauen mit starker Regelblutung, Schwangere und Menschen, die wenig Fleisch essen, sind betroffen.
- Schilddrüsenerkrankungen: Sowohl eine Unter- als auch eine Überfunktion können Haarausfall auslösen.
- Hormonumstellungen: Einige Monate nach einer Geburt oder dem Absetzen der Pille fallen oft vermehrt Haare aus. Das gibt sich meist von selbst.
- Belastungen: Hohes Fieber, Operationen, starker Stress oder Crash-Diäten können zwei bis drei Monate später diffusen Haarausfall auslösen.
- Medikamente: Manche Arzneimittel nennen Haarausfall als Nebenwirkung, etwa bestimmte Blutdrucksenker, Gerinnungshemmer oder Chemotherapeutika.
Bei anhaltendem oder plötzlichem Haarausfall ist die Hausarztpraxis oder eine Hautarztpraxis die richtige Adresse. Ein Blutbild mit Ferritin (Eisenspeicher) und Schilddrüsenwerten klärt häufige Ursachen. Kreisrunde kahle Stellen sollten immer ärztlich angesehen werden.
Ernährung: was das Haar braucht
Haare bestehen überwiegend aus dem Eiweiß Keratin. Für ihr Wachstum braucht der Körper genug Eiweiß, Eisen, Zink und B-Vitamine. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit Hülsenfrüchten, Vollkorn, Nüssen, Eiern, Milchprodukten, Fisch oder Fleisch deckt den Bedarf in der Regel.
Nahrungsergänzungsmittel mit Biotin, Zink oder Hirse werden oft als Haarwunder beworben. Sie helfen nachweislich nur, wenn tatsächlich ein Mangel besteht. Ohne Mangel machen sie das Haar weder dicker noch dichter. Biotin in hoher Dosis kann zudem Laborwerte verfälschen, etwa Schilddrüsentests – vor einer Blutabnahme sollte die Einnahme deshalb erwähnt werden.
Wirkstoffe gegen erblich bedingten Haarausfall
Gegen anlagebedingten Haarausfall gibt es zugelassene Mittel, deren Wirkung in Studien belegt ist:
- Minoxidil: Eine Lösung oder ein Schaum, der täglich auf die Kopfhaut aufgetragen wird. Er ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, für Frauen und Männer. Erste Ergebnisse zeigen sich frühestens nach einigen Monaten, und die Wirkung hält nur so lange an, wie das Mittel angewendet wird.
- Finasterid: Eine verschreibungspflichtige Tablette, die nur für Männer zugelassen ist. Über Nutzen und mögliche Nebenwirkungen berät die ärztliche Praxis.
Koffein-Shampoos und Haarwässer sind beliebt, ihr Nutzen ist aber weit weniger gut belegt.
Pflege, die das Haar schont
Feines Haar bricht leicht und wird schnell schwer. Mit der richtigen Pflege bleibt es kräftiger und fällt voller:
- Leichtes Shampoo wählen: Volumenshampoos ohne schwere Pflegeöle beschweren feines Haar nicht.
- Conditioner nur in die Längen: Spülung am Ansatz macht das Haar platt.
- Nass vorsichtig behandeln: Nasses Haar ist dehnbar und reißt leicht. Mit dem Handtuch nur ausdrücken, nicht rubbeln, und mit einem grobzinkigen Kamm entwirren.
- Hitze begrenzen: Glätteisen und Lockenstab höchstens auf mittlerer Stufe nutzen und vorher einen Hitzeschutz auftragen.
- Keine straffen Frisuren: Dauerhaft fest gebundene Zöpfe, Dutts oder Extensions ziehen an der Haarwurzel und können zu Haarausfall durch Zug führen.
- Chemie dosieren: Häufiges Blondieren und Dauerwellen schädigen die Haarstruktur.
Styling-Tricks für mehr Volumen
- Kopfüber föhnen: Die Haare am Ansatz gegen die Wuchsrichtung trocknen, zum Schluss kalt föhnen, damit das Volumen hält.
- Rundbürste: Haarpartien am Ansatz anheben und über die Bürste trocknen.
- Volumenspray oder Mousse: In kleiner Menge auf den feuchten Ansatz geben.
- Trockenshampoo: Es nimmt Fett auf und gibt dem Ansatz Griffigkeit, auch an frisch gewaschenem Haar.
- Scheitel wechseln: Ein neuer Scheitel richtet die Haare am Ansatz auf.
- Kaschieren: Ansatzpuder oder Haarfasern in Haarfarbe lassen lichte Stellen weniger auffallen.
Der richtige Haarschnitt
Feines Haar wirkt kürzer oft dichter. Ein stumpfer, gerader Schnitt auf Kinn- bis Schulterlänge lässt die Spitzen kompakt aussehen, weil keine ausgedünnten Enden entstehen. Sanfte Stufen am Oberkopf bringen Bewegung. Zu viele Stufen oder starkes Ausdünnen lassen feines Haar dagegen strähnig wirken. Feine Strähnchen in einem etwas helleren Ton erzeugen optische Tiefe und lassen die Kopfhaut weniger durchscheinen.
Was nicht hilft
Rund um dickeres Haar halten sich einige Mythen. Häufiges Schneiden lässt Haare nicht schneller oder dichter wachsen – es entfernt nur Spliss, sodass die Spitzen voller aussehen. Bierspülungen und Eiermasken legen sich höchstens kurz als Film ums Haar. Auch tägliches Haarewaschen schadet nicht grundsätzlich, solange ein mildes Shampoo verwendet wird. Und Kopfmassagen fördern zwar die Durchblutung und tun gut, ersetzen aber keine Behandlung bei Haarausfall.
Häufige Fragen
Kann man dünnes Haar dauerhaft dicker machen?
Die Haarstärke ist weitgehend erblich. Pflege und Styling lassen feines Haar voller wirken, verändern aber nicht den Durchmesser des einzelnen Haares. Bei Haarausfall durch Mangel oder Krankheit wächst das Haar meist wieder dichter nach, wenn die Ursache behandelt ist.
Wird Haar dicker, wenn man es abrasiert?
Nein. Rasieren verändert weder die Haarwurzel noch die Haardicke. Nachwachsende Haare wirken nur kräftiger, weil die Spitzen stumpf abgeschnitten sind.
Wann sollte man wegen dünner werdender Haare zum Arzt?
Wenn über Wochen deutlich mehr als 100 Haare am Tag ausfallen, kahle Stellen entstehen oder weitere Beschwerden wie Müdigkeit, Gewichtsveränderungen oder Zyklusstörungen hinzukommen.
