Bei Verstopfung helfen meist schon einfache Maßnahmen: mehr Ballaststoffe, ausreichend trinken, Bewegung und dem Stuhldrang nachgeben, statt ihn aufzuschieben. Reicht das nicht, gibt es gut verträgliche Mittel aus der Apotheke. Hält die Verstopfung länger an oder kommen Warnzeichen dazu, sollte ärztlich nachgeschaut werden.
Verstopfung ist weit verbreitet. Frauen, ältere Menschen und Schwangere sind besonders häufig betroffen. Meist ist sie harmlos und vorübergehend, etwa auf Reisen oder nach einer Ernährungsumstellung. Was als normal gilt, welche Ursachen es gibt und was wirklich hilft, steht hier.
Wann spricht man von Verstopfung?
Wie oft jemand Stuhlgang hat, ist sehr unterschiedlich. Als normal gilt eine Spanne von dreimal täglich bis dreimal pro Woche. Von Verstopfung (Obstipation) spricht man, wenn mehrere dieser Merkmale zusammenkommen:
- weniger als drei Stuhlgänge pro Woche
- harter, klumpiger Stuhl
- starkes Pressen auf der Toilette
- das Gefühl, den Darm nicht vollständig entleert zu haben
- das Gefühl einer Blockade im Enddarm
Bestehen die Beschwerden über mindestens drei Monate, sprechen Ärztinnen und Ärzte von chronischer Verstopfung.
Häufige Ursachen
Lebensstil
- Wenig Ballaststoffe: Weißbrot, Fertiggerichte und wenig Gemüse liefern dem Darm zu wenig Füllmaterial.
- Zu wenig Flüssigkeit: Der Stuhl wird hart und trocken.
- Bewegungsmangel: Langes Sitzen oder Bettruhe macht auch den Darm träge.
- Stuhldrang unterdrücken: Wer den Gang zur Toilette immer wieder aufschiebt, schwächt den natürlichen Reflex.
- Veränderte Abläufe: Reisen, Zeitumstellung, ungewohntes Essen oder eine fremde Toilette bringen den Rhythmus durcheinander.
Besondere Lebensumstände
In der Schwangerschaft verlangsamen Hormone die Darmbewegung, später drückt das Kind auf den Darm. Im Alter trinken viele weniger, bewegen sich weniger und nehmen mehr Medikamente.
Medikamente
Verstopfung ist eine häufige Nebenwirkung, zum Beispiel bei:
- starken Schmerzmitteln aus der Gruppe der Opioide
- Eisenpräparaten
- manchen Mitteln gegen Depressionen, Bluthochdruck oder Allergien
- Säurebindern mit Aluminium oder Calcium
Medikamente nie eigenmächtig absetzen, sondern Beschwerden mit der Ärztin, dem Arzt oder in der Apotheke besprechen.
Erkrankungen
Hinter anhaltender Verstopfung können auch Erkrankungen stecken, etwa ein Reizdarmsyndrom, eine Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes, neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder Veränderungen im Darm selbst.
Was hilft im Alltag?
Mehr Ballaststoffe
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen mindestens 30 Gramm Ballaststoffe am Tag. Die meisten Menschen in Deutschland erreichen diesen Wert nicht. Ballaststoffe binden Wasser, machen den Stuhl weicher und regen die Darmbewegung an. Gute Quellen sind:
- Vollkornbrot, Haferflocken, Vollkornnudeln und Naturreis
- Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen und Kichererbsen
- Gemüse, besonders Kohl, Möhren und Brokkoli
- Obst wie Äpfel, Birnen, Beeren und Kiwis
- Nüsse und Samen
Die Ernährung sollte schrittweise umgestellt werden. Wer plötzlich sehr viele Ballaststoffe isst, bekommt oft Blähungen.
Ausreichend trinken
Ballaststoffe wirken nur mit genügend Flüssigkeit. Empfohlen werden für Erwachsene rund 1,5 Liter Getränke am Tag, bei Hitze und Sport mehr. Mehr als ausreichend zu trinken hilft bei Verstopfung allerdings nicht zusätzlich.
Bewegung
Spazierengehen, Radfahren, Schwimmen oder Gymnastik bringen auch den Darm in Schwung. Schon 30 Minuten zügiges Gehen am Tag können helfen.
Feste Toilettenzeiten
Der Darm ist besonders aktiv nach dem Aufstehen und nach Mahlzeiten, vor allem nach dem Frühstück. Wer sich dann ohne Zeitdruck Zeit für die Toilette nimmt, unterstützt den natürlichen Rhythmus. Dem Stuhldrang sollte man möglichst sofort nachgeben.
Die richtige Haltung
Ein kleiner Hocker unter den Füßen bringt die Knie über die Hüfte. Diese hockende Haltung streckt den Enddarm und kann die Entleerung erleichtern, ohne stark pressen zu müssen.
Hausmittel
- Flohsamenschalen: quellen stark auf und machen den Stuhl weicher. Immer mit reichlich Wasser einnehmen, mindestens ein großes Glas pro Portion.
- Leinsamen: geschrotet oder ganz, ebenfalls mit viel Flüssigkeit.
- Trockenpflaumen: eingeweicht oder als Saft. Sie enthalten Ballaststoffe und Sorbit, das Wasser in den Darm zieht.
- Ein Glas Wasser am Morgen: nüchtern getrunken, kann es den Darm anregen.
- Sauerkraut: roh, in kleinen Mengen.
Quellmittel ohne ausreichend Flüssigkeit können die Verstopfung verschlimmern. Bei Schluckbeschwerden oder Darmverengungen sind sie nicht geeignet.
Abführmittel aus der Apotheke
Reichen die Maßnahmen nicht, gibt es Abführmittel. Häufig verwendet werden:
- Macrogol: bindet Wasser im Darm und macht den Stuhl weicher, gilt als gut verträglich.
- Lactulose: ein Zucker, der Wasser im Darm hält, kann Blähungen verursachen.
- Bisacodyl und Natriumpicosulfat: regen die Darmbewegung direkt an und wirken meist über Nacht.
- Zäpfchen oder Klistiere: wirken schnell im Enddarm.
Die frühere Sorge, dass Abführmittel den Darm „abhängig“ machen, gilt für die modernen Wirkstoffe bei richtiger Anwendung als weitgehend widerlegt. Trotzdem sollten sie ohne ärztliche Rücksprache nicht über längere Zeit eingenommen werden. Für Kinder, Schwangere und Stillende gelten besondere Regeln. Die Apotheke berät, welches Mittel passt. Packungsbeilage und Dosierung beachten.
Verstopfung bei Kindern
Auch Kinder haben häufig Verstopfung, etwa beim Übergang zur Beikost, während der Sauberkeitserziehung oder zu Schulbeginn. Oft halten sie den Stuhl zurück, weil der Toilettengang einmal wehgetan hat. Daraus kann ein Teufelskreis werden. Bei Kindern sollten Abführmittel nur nach Rücksprache mit der Kinderarztpraxis gegeben werden.
Wann zum Arzt?
Ärztlich abklären lassen sollte man Verstopfung, wenn:
- Blut im Stuhl ist oder der Stuhl schwarz ist
- man ungewollt abnimmt
- starke Bauchschmerzen, Fieber oder Erbrechen auftreten
- sich die Stuhlgewohnheiten ohne erkennbaren Grund plötzlich ändern, besonders ab etwa 50 Jahren
- Verstopfung und Durchfall sich abwechseln
- die Beschwerden trotz Gegenmaßnahmen über Wochen anhalten
Bei starken Bauchschmerzen mit aufgeblähtem Bauch, ohne Stuhl und ohne Winde, sofort ärztliche Hilfe holen, da ein Darmverschluss vorliegen kann.
Häufige Fragen
Wie oft muss man auf die Toilette?
Zwischen dreimal täglich und dreimal pro Woche gilt als normal. Entscheidend ist, ob der Stuhlgang ohne Beschwerden möglich ist.
Was hilft schnell bei Verstopfung?
Zäpfchen oder Klistiere aus der Apotheke wirken oft innerhalb einer Stunde. Für eine dauerhafte Besserung sind Ernährung, Trinken und Bewegung wichtiger.
Helfen Bananen bei Verstopfung?
Reife Bananen enthalten Ballaststoffe und können helfen. Unreife, grüne Bananen wirken eher stopfend.
Sind Abführmittel schädlich?
Moderne Abführmittel gelten bei richtiger Anwendung als sicher. Eine Dauereinnahme sollte trotzdem ärztlich begleitet werden.



