Warum schnurren Katzen? Meist begleitet das tiefe Vibrieren Wohlgefühl: beim Streicheln, Kuscheln, nach dem Fressen oder im gemeinsamen Nickerchen. Derselbe Laut kann eine Katze auch beim Tierarzt, bei Schmerzen oder gegenüber anderen Katzen einsetzen. Schnurren zeigt deshalb vor allem eines: Die Katze ist friedlich gestimmt – ob sie dabei entspannt ist oder sich selbst beruhigt, entscheidet der Zusammenhang.
Warum schnurren Katzen? Wohlgefühl ist nur ein Grund
Auf dem Schoß, beim Kraulen oder nach einer Mahlzeit ist Schnurren oft ein hörbares Zeichen von Entspannung. Auch bei der gegenseitigen Fellpflege und während eines Nickerchens kommt es vor. Die Vibrationen haben dabei eine beruhigende Wirkung auf die Katze und auf Menschen, die direkten Kontakt mit ihr haben.
Eine Katze kann mit dem Geräusch auch friedliche Absichten signalisieren. Nähert sie sich einer anderen Katze schnurrend, wirkt das als Beschwichtigung: Von ihr geht keine Gefahr aus. In einem Haushalt mit mehreren Katzen kann das ansteckend sein; fängt eine an zu schnurren, stimmen andere häufig ein.
Der Laut ist dennoch kein eindeutiger Zufriedenheitsmesser. Katzen schnurren auch unter Belastung. Wer das Verhalten einordnen möchte, achtet daher nicht nur auf das Geräusch, sondern darauf, was gerade passiert: Liegt die Katze entspannt beim Kuscheln, sitzt sie in einer Transportbox oder begegnet sie einem Artgenossen?
Wie schnurren Katzen? Der Kehlkopf hält den Rhythmus
Wie schnurren Katzen, obwohl ihr Körper so klein ist? Das Geräusch entsteht im Kehlkopf. Dort öffnet und schließt sich die Stimmritze, auch Glottis genannt, rasch. Die intrinsischen Kehlkopfmuskeln steuern diese Bewegung und erzeugen so das gleichmäßige, niederfrequente Vibrieren.
Anders als beim Miauen oder Schreien läuft das Schnurren über den gesamten Atemzyklus: beim Einatmen ebenso wie beim Ausatmen. Bei Hauskatzen liegt die Frequenz beim Ausatmen bei etwa 25 Hertz, beim Einatmen bei etwa 27 bis 40 Hertz.
Als möglicher Taktgeber gilt ein neuronaler Oszillator im Katzengehirn, der gleichmäßige Nervenimpulse sendet. Forschende der Universität Wien zeigten 2023 jedoch, dass Katzenkehlköpfe Schnurrfrequenzen auch ohne zyklischen neuronalen Input erzeugen können. Sie fanden dabei ein besonderes Gewebspolster in den Stimmlippen. Es könnte erklären, wie ein so kleines Tier tiefe Töne von etwa 20 bis 30 Hertz erzeugt.
Wenn Katzen schnurren, können Stress und Schmerz dahinterstecken
Beim Tierarzt kann eine Katze schnurren, um sich selbst zu beruhigen. Weibchen schnurren während der Geburt, vermutlich zur Schmerzkontrolle und Selbstberuhigung. Selbst bei starken Schmerzen, schwerer Krankheit oder im Sterben ist Schnurren möglich. In solchen Momenten lässt sich der Laut nicht mit Wohlbefinden gleichsetzen.
Die gleiche Grundstimmung verbindet die unterschiedlichen Situationen: Die Katze ist friedlich gestimmt, nicht auf Angriff aus. Das erklärt, warum Schnurren sowohl in einem ruhigen Körbchen als auch in einer belastenden Situation vorkommt. Erst die Körperhaltung, der Ort und die übrigen Verhaltenssignale geben dem Laut seine Bedeutung.
Schon in der ersten Woche verständigen sich Kitten
Kätzchen schnurren bereits ab einem Alter von etwa einer Woche. Beim Säugen schnurrt auch die Mutterkatze, sogar wenn sie döst oder schläft. Saugende Kitten verbinden das Schnurren oft mit dem Milchtritt: Sie treten mit den Vorderpfoten und regen damit den Milchfluss an.
Die Mutter kann im Halbschlaf das Schnurren ihrer Kitten vom unangenehmen Pieksen beim Saugen unterscheiden. Paul Leyhausen, ein Pionier der Katzen-Verhaltensforschung, beschrieb Schnurren als kindliche Lautform, mit der säugende Junge der Mutter zeigen, dass es ihnen gut geht.
Die Schnurrfrequenz liegt in einem medizinisch genutzten Bereich
Das Schnurren der Katzen umfasst einen Frequenzbereich von etwa 25 bis 150 Hertz. In der Medizin werden Frequenzen in diesem Bereich zur Förderung von Knochenwachstum und Frakturheilung eingesetzt. Hauskatzen, Servale, Ozelote und Pumas schnurren bei 25 und 50 Hertz – genau die beiden Frequenzen, die dafür als besonders wirksam gelten.
Hinzu kommen starke Obertöne bei 100 Hertz. Solche Frequenzen werden therapeutisch gegen Schmerzen, Ödeme, Wunden und Atemnot eingesetzt. Daraus entstand die Felid-Purr-Hypothese: Schnurren könnte für Katzen ein natürlicher Heilmechanismus sein, der die Erholungszeit verkürzt und Knochen sowie Muskeln auch bei wenig Bewegung stärkt.
Physiotherapeuten nutzen ähnliche niederfrequente Vibrationen, um die Knochenheilung zu unterstützen. Dass Katzen ihre eigenen Brüche durch Schnurren schneller heilen, ist damit aber nicht bewiesen; die Felid-Purr-Hypothese beruht vor allem auf dem Vergleich der Frequenzen. Sie ist auch keine Diagnose für eine einzelne schnurrende Katze und kein Ersatz für Behandlung. Für Menschen wird ein anderer Effekt beschrieben: Eine schnurrende Katze auf dem Schoß kann helfen, Stress abzubauen und den Blutdruck zu senken.
Warum manche Katzen kaum schnurren oder plötzlich aufhören
Nicht jede Katze schnurrt hörbar. Lautstärke und Häufigkeit hängen stark von Charakter und Rasse ab. Britisch-Kurzhaar-Katzen gelten oft als sehr leise Schnurrer, während Siamkatzen als besonders kommunikativ und schnurrfreudig gelten.
Manche leisen Schnurrer sind keineswegs stumm: Die Vibration ist nur zu spüren, wenn eine Hand an Brust oder Kehle liegt. So wirkt eine Katze manchmal, als schnurre sie nie, obwohl sie es tut.
Hört eine Katze plötzlich auf zu schnurren, können Stress, Schmerzen, Krankheit oder eine Veränderung in der Umgebung eine Rolle spielen. Zwingend ist das nicht, denn Katzen kommunizieren auch über Mimik, Körpersprache und andere Laute. Entscheidend ist, ob sich mit dem fehlenden Schnurren weitere Veränderungen zeigen.
Diese Katzen schnurren – Löwen und Tiger brüllen stattdessen
Zu den schnurrenden Katzen gehören Hauskatzen, Ozelote, Luchse, Pumas und Geparden. Sie erzeugen den Laut beim Einatmen und beim Ausatmen. Geparden besitzen ein vollständig verknöchertes Zungenbein.
Löwen, Tiger, Leoparden und Jaguare aus der Gattung Panthera können dagegen brüllen, jedoch nicht wie eine Hauskatze schnurren. Bei diesen Brüllkatzen findet sich im Zungenbeinapparat ein elastisches Band, das Epihyoid, statt eines Knochens. Lange galt diese Besonderheit als Grund dafür, dass sie brüllen, aber nicht wie Kleinkatzen schnurren können. Großkatzen geben schnurrähnliche Laute nur beim Ausatmen von sich.
Eine Sonderstellung nehmen Schneeleoparden ein. Obwohl sie zur Gattung Panthera gehören, brüllen sie nicht; sie geben schnurrähnliche Laute, Chuffing und Miau-Laute von sich. Pumas wiederum verfügen neben dem Schnurren über Chirps, Pfeifen und Knurren.
Häufige Fragen
Warum schnurrt eine Katze ständig?
Eine Katze schnurrt ständig, wenn sie wiederholt entspannt ist, etwa beim Kuscheln oder Nickerchen. Das Geräusch kann aber auch Selbstberuhigung bei Stress oder Schmerzen sein. Der Ort und das übrige Verhalten entscheiden über die Einordnung.
Ist es normal, wenn eine Katze nicht schnurrt?
Ja. Charakter und Rasse beeinflussen das Schnurren; Britisch-Kurzhaar-Katzen sind oft sehr leise, Siamkatzen dagegen häufig schnurrfreudig. Bei manchen Katzen lassen sich nur die Vibrationen an Brust oder Kehle fühlen.
Schnurren Großkatzen genauso wie Hauskatzen?
Pumas, Geparden, Luchse und Ozelote können wie Hauskatzen beim Ein- und Ausatmen schnurren. Löwen, Tiger, Leoparden und Jaguare können dagegen brüllen, aber nicht im selben Sinn schnurren.
Warum schnurrt eine Katze beim Tierarzt?
Beim Tierarzt kann Schnurren der Selbstberuhigung dienen. Es kommt auch bei anderen belastenden Situationen vor und bedeutet dort nicht automatisch, dass die Katze entspannt oder zufrieden ist.



