Warum muss man sterben

Warum muss man sterben

Warum muss man sterben? Kaum eine Frage beschäftigt Menschen so grundsätzlich. Viele wünschen sich, länger oder gar für immer zu leben, manche lassen ihren Körper nach dem Tod sogar einfrieren, in der Hoffnung auf eine spätere Wiederbelebung. Die Biologie gibt heute recht genaue Antworten darauf, warum Körper altern. Die Philosophie fragt, was die Endlichkeit für unser Leben bedeutet.

Was beim Altern im Körper passiert

Unser Körper besteht aus rund 30 Billionen Zellen, die ständig arbeiten, sich teilen und reparieren. Mit den Jahren sammeln sich jedoch Schäden an, die der Körper nicht mehr vollständig beheben kann. Die Alternsforschung hat dafür mehrere Mechanismen beschrieben, die zusammenwirken.

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Schäden am Erbgut

Die DNA in jeder Zelle wird täglich tausendfach beschädigt, etwa durch UV-Strahlung, Stoffwechselprodukte oder Kopierfehler bei der Zellteilung. Reparatursysteme beheben die meisten Fehler, aber nicht alle. Mit der Zeit häufen sich Mutationen an. Das erhöht unter anderem das Krebsrisiko, das mit dem Alter deutlich steigt.

Kürzer werdende Telomere

Die Enden der Chromosomen sind durch Schutzkappen, die Telomere, gesichert. Bei jeder Zellteilung werden sie ein Stück kürzer. Der amerikanische Forscher Leonard Hayflick entdeckte in den 1960er-Jahren, dass sich menschliche Körperzellen in der Kulturschale nur etwa 50-mal teilen können, dann stellen sie die Teilung ein. Diese sogenannte Hayflick-Grenze begrenzt die Erneuerungsfähigkeit vieler Gewebe.

Oxidativer Stress

Bei der Energiegewinnung in den Mitochondrien entstehen reaktive Sauerstoffverbindungen, oft „freie Radikale“ genannt. Sie können Eiweiße, Fette und Erbgut schädigen. Der Körper besitzt Abwehrsysteme, doch auch sie arbeiten im Alter weniger effizient.

Erschöpfte Zellen

Geschädigte Zellen gehen oft in einen Ruhezustand über, die Seneszenz. Sie teilen sich nicht mehr, sterben aber auch nicht ab und senden entzündungsfördernde Signale aus. Mit zunehmendem Alter sammeln sich solche Zellen in Geweben an und tragen zu Krankheiten wie Arteriosklerose, Arthrose oder Diabetes bei.

Das Zusammenspiel dieser Prozesse führt dazu, dass Organe allmählich an Reserve verlieren. Herz, Lunge, Nieren und Immunsystem können Belastungen schlechter ausgleichen. Am Ende genügt oft eine Infektion, ein Sturz oder ein Herzinfarkt, um das Gleichgewicht zu kippen.

Warum hat die Evolution den Tod nicht abgeschafft?

Wenn Altern so viele Nachteile hat, warum hat die natürliche Auslese es nicht beseitigt? Die Evolutionsbiologie hat darauf drei sich ergänzende Antworten:

  • Mutationsakkumulation (Peter Medawar, 1952): In der Natur sterben die meisten Lebewesen früh durch Fressfeinde, Krankheiten oder Unfälle. Erbanlagen, die erst im hohen Alter schaden, werden deshalb kaum ausgesiebt und sammeln sich über Generationen an.
  • Antagonistische Pleiotropie (George C. Williams, 1957): Manche Gene bringen in jungen Jahren Vorteile, etwa für Wachstum und Fortpflanzung, und schaden erst später. Weil der frühe Nutzen zählt, setzen sie sich durch.
  • Wegwerfkörper-Theorie (Thomas Kirkwood, 1977): Energie ist begrenzt. Ein Organismus muss sie zwischen Fortpflanzung und Körperreparatur aufteilen. Perfekte Reparatur für ein ewiges Leben wäre zu teuer, wenn der Körper ohnehin früher oder später durch äußere Ursachen stirbt.

Aus Sicht der Evolution zählt also nicht das lange Leben des Einzelnen, sondern die Weitergabe der Gene. Der Tod macht zudem Platz für neue Generationen, deren Erbgut neu gemischt ist und sich an veränderte Bedingungen anpassen kann.

Lebewesen, die fast nicht altern

Dass Altern kein Naturgesetz für alle Lebewesen ist, zeigen einige erstaunliche Ausnahmen:

  • Die Qualle Turritopsis dohrnii kann sich unter Stress in ein Jugendstadium zurückverwandeln und gilt deshalb als „unsterbliche Qualle“.
  • Der Süßwasserpolyp Hydra zeigt im Labor über Jahre kaum Anzeichen des Alterns, weil sich seine Stammzellen ständig erneuern.
  • Der Grönlandhai wird nach Altersbestimmungen an der Augenlinse vermutlich rund 400 Jahre alt.
  • Manche Grannenkiefern in Kalifornien sind fast 5.000 Jahre alt.

Unsterblich im eigentlichen Sinn sind aber auch sie nicht: Fressfeinde, Krankheiten und Umweltveränderungen beenden irgendwann jedes Leben.

Wie alt werden Menschen?

Die Lebenserwartung ist in den vergangenen 150 Jahren stark gestiegen, vor allem durch sauberes Trinkwasser, bessere Ernährung, Impfungen und moderne Medizin. In Deutschland liegt sie nach Angaben des Statistischen Bundesamts für neugeborene Jungen bei rund 78 bis 79 Jahren, für Mädchen bei gut 83 Jahren. Um 1870 lag sie noch unter 40 Jahren, vor allem wegen der hohen Kindersterblichkeit.

Die höchste zuverlässig belegte Lebensdauer erreichte die Französin Jeanne Calment, die 1997 im Alter von 122 Jahren starb. Viele Forscher gehen davon aus, dass die maximale Lebensspanne des Menschen bei etwa 115 bis 125 Jahren liegt – auch wenn mehr Menschen dieses Alter erreichen könnten.

Einfrieren für die Zukunft?

Bei der Kryonik werden Körper oder Köpfe nach dem Tod in flüssigem Stickstoff bei etwa minus 196 °C gelagert, in der Hoffnung, dass künftige Technik sie wiederbeleben kann. Anbieter in den USA und Russland verlangen dafür Zehntausende bis Hunderttausende Dollar. Bisher wurde kein Säugetier nach dem Einfrieren seines ganzen Körpers wiederbelebt. Das Einfrieren schädigt Zellen durch Eiskristalle, Schutzmittel können das nur teilweise verhindern. Zudem würde ein wiederbelebter Körper nicht jünger: Die Krankheit, an der jemand gestorben ist, müsste ebenso geheilt werden wie das Altern selbst.

Was die Philosophie dazu sagt

Philosophen haben den Tod nicht nur als Ende, sondern als Teil des Lebens betrachtet. Der griechische Philosoph Epikur argumentierte, der Tod gehe uns nichts an: Solange wir sind, ist der Tod nicht da, und wenn der Tod da ist, sind wir nicht mehr. Der deutsche Philosoph Martin Heidegger beschrieb den Menschen als „Sein zum Tode“ – erst das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit mache ein bewusstes, eigenes Leben möglich.

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Viele Menschen erleben es ähnlich: Weil Zeit begrenzt ist, bekommen Entscheidungen, Beziehungen und Erlebnisse Gewicht. Ein Leben ohne Ende könnte dagegen beliebig werden. Religionen geben auf die Frage nach dem Sinn des Todes eigene Antworten, etwa die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod oder auf Wiedergeburt.

Häufige Fragen

Warum altern Menschen?

Weil sich im Lauf des Lebens Schäden an Erbgut, Zellen und Geweben ansammeln, die der Körper nicht mehr vollständig reparieren kann.

Was ist die Hayflick-Grenze?

Die Beobachtung, dass sich menschliche Körperzellen nur etwa 50-mal teilen können, bevor sie die Teilung einstellen.

Wie alt ist der älteste Mensch geworden?

Die Französin Jeanne Calment wurde 122 Jahre alt. Sie starb 1997.

Kann man durch Einfrieren den Tod überwinden?

Bisher nicht. Eine Wiederbelebung nach Kryonik ist nicht gelungen und wissenschaftlich unbewiesen.