Die Wikinger lebten in Skandinavien, also im heutigen Dänemark, Norwegen und Schweden. Als „Wikingerzeit“ bezeichnen Historiker die Jahre von etwa 793 bis 1066. In diesen gut 270 Jahren fuhren skandinavische Seefahrer bis nach Nordamerika, ans Kaspische Meer und nach Konstantinopel – als Plünderer, Händler und Siedler.
Wann begann die Wikingerzeit?
Ein festes Startdatum gibt es nicht, denn Skandinavier fuhren schon lange vorher zur See. Als symbolischer Beginn gilt der 8. Juni 793: An diesem Tag überfielen Nordmänner das Kloster Lindisfarne auf der Gezeiteninsel Holy Island vor der Nordostküste Englands. Der Gelehrte Alkuin schrieb damals entsetzt, nie zuvor habe es in Britannien einen solchen Schrecken gegeben. Der Angriff auf eines der bekanntesten Klöster Europas machte die „Männer aus dem Norden“ schlagartig bekannt.
Es gibt aber ältere Hinweise. Der fränkische Geschichtsschreiber Gregor von Tours berichtet von einem dänischen König namens Chlochilaicus, der um 516 bis 522 an der Küste des Frankenreichs plünderte und dabei getötet wurde. Dieser Zug liegt jedoch fast 300 Jahre vor den regelmäßigen Überfällen und wird meist als Vorläufer, nicht als Beginn der Wikingerzeit gewertet. Archäologen verweisen zudem auf Schiffsbestattungen in Salme (Estland) um 750, die zeigen, dass Skandinavier schon vor 793 bewaffnet über die Ostsee fuhren.
Wann endete die Wikingerzeit?
Als Endpunkt gilt das Jahr 1066. Am 25. September 1066 unterlag der norwegische König Harald Hardråde in der Schlacht von Stamford Bridge bei York dem englischen König Harold Godwinson und fiel. Nur wenige Wochen später, am 14. Oktober 1066, siegte Wilhelm der Eroberer bei Hastings – ein Nachfahre jener Wikinger, die sich gut 150 Jahre zuvor in der Normandie niedergelassen hatten.
Das Ende kam allerdings nicht über Nacht. Die skandinavischen Reiche wurden christlich, Könige festigten ihre Macht, und an die Stelle der Raubzüge traten Handel und reguläre Kriegszüge. Mit der Christianisierung verloren auch die alten Götter wie Odin, Thor und Freyr an Bedeutung.
Wer waren die Wikinger?
„Wikinger“ war ursprünglich kein Volksname. Das altnordische Wort víkingr bezeichnete einen Mann, der auf Fahrt ging, fara í víking hieß „auf Raubfahrt gehen“. Die meisten Skandinavier jener Zeit waren Bauern, Fischer, Handwerker und Händler. Wikinger war man oft nur für einige Sommer: Junge Männer schlossen sich einem Anführer an, kehrten mit Beute und Ansehen zurück und bewirtschafteten danach wieder den Hof der Familie.
Die Gesellschaft war in Freie, Unfreie (Thralls) und eine Oberschicht aus Jarlen und Königen gegliedert. Wichtige Entscheidungen fielen auf dem Thing, einer Versammlung freier Männer, die Recht sprach und Streit schlichtete. Auf Island tagte ab 930 das Althing, eine der ältesten Volksversammlungen Europas. Geschrieben wurde mit Runen, zur Wikingerzeit im jüngeren Futhark mit 16 Zeichen.
Wohin fuhren die Wikinger?
Möglich machten die weiten Fahrten die Langschiffe: schlank, mit geringem Tiefgang, gerudert und gesegelt. Sie konnten über das offene Meer fahren und zugleich weit Flüsse hinauf. Gut erhaltene Beispiele sind das Oseberg- und das Gokstad-Schiff im Wikingerschiffsmuseum in Oslo.
Nach Westen: Britische Inseln, Frankreich, Atlantik
- England: Ab 865 zog das „Große Heer“ der Dänen durch England. Im Osten und Norden entstand der Danelag, ein Gebiet unter skandinavischem Recht mit dem Zentrum York (Jórvík).
- Irland: 841 gründeten Wikinger an der Liffey eine befestigte Siedlung – den Ursprung der Stadt Dublin.
- Frankreich: 845 plünderten sie Paris. 911 überließ König Karl der Einfältige dem Anführer Rollo Land an der Seinemündung – daraus wurde die Normandie.
- Island: Ab etwa 870 besiedelt, nach der Überlieferung 874 durch Ingólfr Arnarson.
- Grönland: Um 985 gründete Erik der Rote Siedlungen im Südwesten.
- Nordamerika: Um das Jahr 1000 erreichte Leif Eriksson „Vinland“. Die Ausgrabungsstätte L’Anse aux Meadows auf Neufundland belegt eine nordische Siedlung; Holzfunde wurden auf das Jahr 1021 datiert.
Nach Osten: Rus und Byzanz
Schwedische Skandinavier, im Osten Waräger oder Rus genannt, fuhren über Flüsse wie Wolchow, Dnjepr und Wolga. Sie handelten mit Pelzen, Sklaven und Silber, gründeten Herrschaften in Nowgorod und Kiew und erreichten Konstantinopel. Dort dienten Skandinavier in der Warägergarde, der Leibwache des byzantinischen Kaisers. Hunderttausende arabische Silbermünzen in schwedischen Schatzfunden zeugen von diesem Fernhandel.
Handelsplätze und Alltag
Neben den Raubzügen prägte der Handel die Wikingerzeit. Wichtige Handelsorte waren Haithabu an der Schlei bei Schleswig, damals einer der bedeutendsten Märkte Nordeuropas, Birka auf einer Insel im Mälarsee und Ribe in Jütland. Haithabu und das benachbarte Danewerk gehören seit 2018 zum UNESCO-Welterbe; das Wikinger Museum Haithabu zeigt rekonstruierte Häuser.
Im Alltag lebten die meisten Menschen in Langhäusern, in denen Mensch und Vieh oft unter einem Dach wohnten. Angebaut wurden Gerste, Hafer und Roggen, gehalten wurden Rinder, Schafe, Schweine und Pferde. Frauen verwalteten Haus und Hof und trugen die Schlüssel als Zeichen ihrer Verantwortung.
Wikinger-Mythen
Hörnerhelme trugen Wikinger nicht. Das Bild stammt aus dem 19. Jahrhundert, unter anderem aus Kostümen für Richard Wagners Opern. Der einzige vollständig erhaltene Helm aus der Wikingerzeit, der Gjermundbu-Helm aus Norwegen, ist ein schlichter Eisenhelm. Auch das Bild vom ungewaschenen Barbaren hält der Forschung nicht stand: Kämme, Pinzetten und Ohrlöffel gehören zu den häufigen Grabfunden.
Häufige Fragen
Wann lebten die Wikinger genau?
Die Wikingerzeit wird auf etwa 793 bis 1066 datiert – vom Überfall auf Lindisfarne bis zur Schlacht von Stamford Bridge.
Woher kamen die Wikinger?
Aus Skandinavien, also aus den Gebieten der heutigen Staaten Dänemark, Norwegen und Schweden.
Waren die Wikinger vor Kolumbus in Amerika?
Ja. Um das Jahr 1000 erreichte Leif Eriksson Nordamerika, die Siedlung bei L’Anse aux Meadows auf Neufundland ist archäologisch belegt.
Was bedeutet das Wort Wikinger?
Es geht auf das altnordische víkingr zurück und bezeichnete Männer, die auf Raub- oder Kriegsfahrt gingen. Ein eigenes Volk war damit nicht gemeint.



