In Deutschland schneit es im Flachland meist zwischen Dezember und Februar, in den Mittelgebirgen oft schon ab November und bis in den April. Ob Niederschlag als Schnee ankommt, hängt vor allem von der Temperatur in den unteren Luftschichten ab: Liegt sie unter etwa zwei Grad, fällt er meist als Schnee.
Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Es gibt Schneefall bei Plusgraden und Regen bei leichtem Frost. Wann und wo es schneit, erklärt dieser Überblick, vom Eiskristall in der Wolke bis zu den schneesichersten Orten im Land.
Wie Schnee entsteht
Schnee bildet sich in Wolken, deren Temperatur unter dem Gefrierpunkt liegt. Wasserdampf lagert sich dort an winzigen Teilchen an, etwa an Staub, Ruß oder Pollen. Diese Kondensationskeime wirken wie ein Gerüst, an dem Eiskristalle wachsen. Weil Wassermoleküle sich in einem Sechseck-Gitter anordnen, haben Schneekristalle stets sechs Arme oder sechs Kanten.
Die Form hängt von Temperatur und Feuchtigkeit ab. Bei wenigen Minusgraden entstehen eher Plättchen und Nadeln, bei etwa minus 15 Grad die klassischen verästelten Sterne. Auf dem Weg nach unten stoßen viele Kristalle zusammen und verhaken sich. So entstehen Schneeflocken, die aus Dutzenden oder Hunderten einzelner Kristalle bestehen.
Bei welcher Temperatur es schneit
Entscheidend ist nicht die Temperatur in der Wolke, sondern die Luft, durch die die Flocken fallen. Ist sie zu warm, schmelzen sie unterwegs und kommen als Regen an.
- Unter 0 Grad am Boden: Schnee ist sehr wahrscheinlich, sofern es überhaupt Niederschlag gibt.
- 0 bis etwa 2 Grad: meist Schnee oder Schneeregen, oft nasser, schwerer Schnee.
- Über 2 Grad: meist Regen. Bei sehr trockener Luft kann es aber auch bei 3 oder 4 Grad noch schneien, weil verdunstendes Schmelzwasser die Flocken kühlt.
Umgekehrt gibt es bei leichtem Frost auch Regen, wenn in mittlerer Höhe eine warme Luftschicht liegt. Fallen die Tropfen dann auf gefrorenen Boden, entsteht gefährliches Glatteis.
Die Schneefallgrenze
In Wetterberichten ist oft von der Schneefallgrenze die Rede. Gemeint ist die Höhe, unterhalb derer der Niederschlag als Regen fällt. Liegt sie bei 600 Metern, schneit es im Harz und im Bayerischen Wald, während es in Hannover oder München regnet. Pro 100 Höhenmeter wird die Luft im Mittel um etwa 0,65 Grad kälter. Deshalb liegt in den Bergen oft Schnee, wenn im Tal schon Wiesen grün sind.
Wann es in Deutschland schneit
Flachland und Großstädte
In Norddeutschland, im Rheinland und in den großen Flusstälern ist Schnee eher die Ausnahme. Die meisten Schneetage gibt es dort im Januar und Februar. Eine geschlossene Schneedecke hält sich oft nur wenige Tage. Im Osten und Süden ist es durch das kontinentalere Klima kälter, Städte wie Dresden, Görlitz oder Regensburg haben daher im Schnitt mehr Schnee als Köln oder Hamburg.
Mittelgebirge
Ab etwa 700 bis 800 Metern Höhe ist Schnee im Winter die Regel. Der Erzgebirgs-Ort Oberwiesenthal, der Thüringer Wald um Oberhof, das Sauerland um Winterberg, die Rhön und der Harz haben in den meisten Wintern genug Schnee für Wintersport, wenn auch nicht mehr in jedem Jahr verlässlich. Die Saison reicht in guten Jahren von Dezember bis März.
Die schneesichersten Orte
- Zugspitze (2.962 m): Deutschlands höchster Berg, Schnee oft von Oktober bis in den Mai, im Hochsommer auch Neuschnee möglich.
- Feldberg (1.493 m): höchster Gipfel des Schwarzwalds und eines der schneesichersten Gebiete außerhalb der Alpen.
- Großer Arber (1.456 m): höchster Berg des Bayerischen Waldes.
- Fichtelberg (1.215 m): höchster Berg Sachsens, über Oberwiesenthal.
- Brocken (1.141 m): höchster Gipfel im Harz, mit vielen Nebel- und Frosttagen.
Weiße Weihnachten
Das Bild vom verschneiten Heiligabend ist in den meisten Regionen Deutschlands eher Wunsch als Regel. Der Deutsche Wetterdienst spricht von weißer Weihnacht, wenn an allen drei Festtagen morgens eine Schneedecke von mindestens einem Zentimeter liegt. Im Flachland kommt das nur in wenigen Jahren pro Jahrzehnt vor. Häufig bringt das sogenannte Weihnachtstauwetter um die Feiertage mildere Luft vom Atlantik. In den höheren Lagen der Mittelgebirge und in den Alpen sind die Chancen deutlich besser.
Weniger Schnee durch den Klimawandel
Die Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes zeigen seit Jahrzehnten einen Rückgang der Tage mit Schneedecke, besonders in tiefen und mittleren Lagen. Die Winter sind im Mittel wärmer geworden, die Schneefallgrenze liegt höher. Einzelne kalte und schneereiche Winter oder Wintereinbrüche wie im Dezember 2023 in Süddeutschland gibt es trotzdem weiterhin. Für Skigebiete in den Mittelgebirgen bedeutet die Entwicklung, dass sie zunehmend auf technischen Schnee angewiesen sind.
Schneearten im Überblick
- Pulverschnee: trocken und leicht, fällt bei deutlichen Minusgraden, ideal zum Skifahren.
- Nassschnee: schwer und klebrig, fällt um den Gefrierpunkt, gut für Schneemänner, belastet aber Dächer und Bäume.
- Graupel: kleine, weiche Eiskügelchen, oft bei Schauern im Frühjahr, typisch fürs Aprilwetter.
- Firn: alter Schnee, der mehrfach getaut und wieder gefroren ist, grobkörnig und typisch für Frühjahrsskitouren.
- Schneeregen: Mischung aus Regen und teils geschmolzenen Flocken.
Lake-Effect-Schnee
Ein Sonderfall ist der Seeeffekt-Schnee. Strömt sehr kalte Luft über ein noch warmes Gewässer, nimmt sie Feuchtigkeit auf und lädt sie am Ufer als Schnee ab. Bekannt ist das von den Großen Seen in Nordamerika. In Deutschland kann die Ostsee einen ähnlichen Effekt auslösen, etwa an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns oder auf Rügen.
Schnee auf der Südhalbkugel
Wer im europäischen Sommer Schnee sucht, muss auf die Südhalbkugel. Dort ist von Juni bis August Winter. Skigebiete gibt es in den Anden in Chile und Argentinien, in Neuseeland rund um Queenstown und in den australischen Snowy Mountains.
Häufige Fragen
Kann es bei Plusgraden schneien?
Ja. Bei trockener Luft fällt Schnee auch noch bei drei oder vier Grad, weil die Flocken beim Fallen durch Verdunstung gekühlt werden.
Wann ist die beste Zeit für Schnee in den Mittelgebirgen?
Meist Januar und Februar. Dann liegt in den höheren Lagen von Harz, Erzgebirge, Schwarzwald und Bayerischem Wald am häufigsten eine geschlossene Schneedecke.
Warum sind Schneeflocken sechseckig?
Weil sich Wassermoleküle beim Gefrieren in einem sechseckigen Kristallgitter anordnen. Diese Grundform setzt sich im ganzen Kristall fort.
Wo schneit es in Deutschland am meisten?
In den Alpen, besonders an der Zugspitze, sowie in den höchsten Lagen von Schwarzwald, Bayerischem Wald, Erzgebirge und Harz.



